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Im Zeichen der Pusteblume |
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Theaterfestival in der Gesamtschule Holweide eröffnet
von David Schmitz
Plötzlich wird es laut in der Aula der Gesamtschule Holweide. Rhythmisches Klopfen, taktgebendes Hämmern - so klingen die „Rhythmsticks“ die Percussiongruppe der Verbundschule Leverkusen, die gerade den ersten Tag des „Schulfestivals Pusteblume“ eröffnet haben. Seit gestern stehen insgesamt 26 Theater-, Tanz-, Zirkus- und Musikgruppen bei dem Festival, das in dieser Form erstmals stattfindet, auf der Bühne. Die Beiträge sind größtenteils von Sonder- und Behindertenschulen gestaltet worden. Da es aber um das Miteinander gehen soll, sind auch Schüler des Holweider Schulzirkus „Zappelino“ mit am Programm beteiligt. Der Zirkus organisiert das Festival in Zusammenarbeit mit dem Universitäts-Sommertheater „Pusteblume“, das seit rund 20 Jahren ein Sommerfest zur kreativen Förderung von behinderten veranstaltet hatte. „Leider konnten wir aus organisatorischen und finanziellen Gründen unser eigenes Sommerfest nicht mehr allein realisieren. Daher freut es mich besonders, dass wir so trotzdem wieder eine Bühne für die Schülergruppen gefunden haben“, erklärt der Ideengeber und Organisator der „Pusteblume“, Werner Reuter. Die Gruppen kommen aus ganz Nordrhein-Westfalen und bringen so bunte Nummern wie „Tunnelblick-Drumeridoo“ oder „Wild West-Rauchende Colts“ mit ins Programm. Das Festival endet am Mittwochabend um 19 Uhr, bis dahin finden noch zwei Vorstellungen statt, jeweils heute und morgen um 10.30 Uhr. Karten kosten ermäßigt drei und regulär fünf Euro und können telefonisch unter 5 50 15 44 bestellt werden.
Kölner Stadtanzeiger, Dienstag 10. Juni 2008 |
| Im Schatten des Doms soll jeder Mensch willkommen sein. |
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Kölner Stadt-Anzeiger, 31.01.2008
von Dirk Risse
Beim Konzert unter dem Motto „Multi-Kulti-Kölsch“ im Zentrum Pusteblume musizieren Künstler gegen Fremdenfeindlichkeit.
Neuehrenfeld - „Rassismus, das ist nicht nur Hoyerswerda, den gibt’s leider auch reichlich im Alltag“, sagt Werner Reuter. Und dann erzählt der Kölner Kabarettist die kleine Geschichte von seiner Schwiegertochter, die als Krankenschwester in einem Hospital arbeitet und wegen ihres türkischen Aussehens von Patienten dort schon einmal als „Putze“ beschimpft wird. „Das ist sicherlich nur eine kleine Sache, aber wehret den Anfängen, betont Werner Reuter. Und deswegen hat er das Konzert „Multi-Kulti-Kölsch“ aus dem Boden gestampft.
Ein Hauch des legendären Konzertes „Arsch huh, Zäng ussenander“ lag also über dem Abend im Neuehrenfelder Zentrum Pusteblume. Und so spielten die beiden Bands Kölsch Pur und Acoustic Color all die alten kölschen Klassiker von BAP, Brings und den Bläck Fööss - von „Du bes Kölle“ bis hin zu „Superjeile Zick“.
Dazu warf Werner Reuter entsprechende Dias in einer Fotoschau an die Wand. Zu „Usjebombt“ von den Bläck Fööss gab es Bilder von den Kölner Trümmerlandschaften aus der Nachkriegszeit, zu einem anderen Lied wurde die Kathedrale eingerahmt von einer Moschee präsentiert. Für „Fuck Chardonnay“ hatten sich die Organisatoren etwas besonderes ausgedacht: sie kredenzten Kostproben des spritzigen französischen Weins.
Und weil die multikulturelle Gesellschaft nirgends so auf die Probe gestellt wird wie durch die unterschiedlichen Sprachen, gab es auch kleine Textbeiträge, die zum Beispiel auf Russisch, Türkisch, aber auch auf Badisch und Kölsch gelesen wurden. Da ging es um Migration im weiteren Sinne, von Kasachstan nach irgendwo in Deutschland vielleicht - und dann aus dem Breisgau zum Beispiel nach Köln. Die Botschaft an alle Kölner war ganz einfach: In dieser Stadt soll jeder willkommen sein. |
| Eine Luxus-Kreuzfahrt mit zahlreichen Filmstars |
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Auf der Musicalbühne tummelten sich Stars und Helden aus Hollywood-Filmen.
Innenstadt. Von der Kinoleinwand auf das Traumschiff. Auf dem Luxus-Dampfer „Diva Sea Live“ begegneten sich die Helden aus 16 großen Hollywoodfilmen vergangener Jahrzehnte - stets beobachtet und belauscht von zwei Kölner Journalisten auf der Jagd nach der großen Story über das Urlaubsverhalten der Stars. Das war die Ausgangssituation des neuen Pusteblume-Musicals, das bei zwei Aufführungen in der Aula des Gymnasiums Kreuzgasse rund 1 500 Zuschauer begeisterte. „Mehr als 200 Kinder und Jugendliche sowie einige Erwachsene stehen auf der Bühne - von vier bis 40 Jahren“, sagte Zentrumsleiter Werner Reuter.
Getragen wurde die Inszenierung vor allem von den Kindern und Jugendlichen, die jeden Samstagmorgen zum Musicalkurs kommen und mit Dozentin Carla Weser Gesang, Tanz und Schauspiel trainieren. Fast ein Jahr wurde am neuen Stück gebastelt, Szenen ausgewählt und Rollen verteilt. So treffen dann Ingrid Bergmann und Humphrey Bogart mit dem klassischen „Casablanca“-Dialog („Ich schau dir in die Augen, Kleines“) in der Blue-Buffalo-Bar aufeinander, der schwule Indianer Winnietouch („Schuh des Manitu“) schwingt auf Deck 8 beim Gratis-Golf den Schläger, und Johnny Depp trickst als Captain Jack Sparrow die Eingangskontrollen aus. „Das Betreten des Schiffes ist für Zivilisten verboten“, wurde der Pirat von den Sicherheitskräften zurückgewiesen. Das wusste ich nicht. Wenn ich einen treffe, gebe ich euch Bescheid.“ Dazwischen tanzen Golfbälle und Zauberstäbe, Wattwürmer, Hexen und Krabben, Drachen und Vampire. Das sind die großen und vor allem die kleinen Teilnehmer der Tanzkurse des Zentrums - von tänzerischer Früherziehung bis Jazzdance.
Norbert Ramme, Kölner Stadt-Anzeiger |
| Pusteblume wird zu einer Pirateninsel |
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Kölner Stadtanzeiger, 13.06.2007
VON CLAUDIA HAUSER
Wegen der Studiengebühren war es schwer, ehrenamtliche Helfer zu finden.
Während im Kino der dritte Teil von „Fluch der Karibik“ die Träume aller Piraten-Fans wahr werden lässt, spielen zerfetzte Segel, Totenköpfe und Kanonen auch beim „Sommerfestival Pusteblume“, der Theaterwoche von Menschen mit und ohne Behinderung, eine große Rolle. Auf der Wiese vor der Heilpädagogischen Fakultät gibt es neben dem großen Zirkuszelt eine ganze Pirateninsel. Aus Holzpaletten haben die Studenten, die ehrenamtlich für „Pusteblume“ arbeiten, vier Tage lang nicht nur ein Schiff unter einen Baum gezimmert, sondern auch eine Geisterbahn mit einem dunkel verhangenen Irrgarten gebaut. Große Totenschädel aus Pappmaschee starren aus leeren Augenhöhlen von allen Seiten auf die Besucher des Festivals herab, das nach 20 Jahren in diesem Sommer zum letzten Mal stattfindet.
Henne Thiemann hilft schon zum dritten Mal mit und tritt in diesem Jahr selbst ins Scheinwerferlicht: Als einer von mehreren Piraten befreit er unter großem Gejohle der Zuschauer einen Kameraden, den die Kannibalen gerade zum Garwerden übers Feuer hängen wollen. Der 28-jährige Sonderpädagogikstudent musste mit seinen Dozenten sprechen, um eine Woche freigestellt zu werden und bei den versäumten Seminaren nicht als fehlend eingetragen zu werden. „Mit der Einführung der Studiengebühren wurde auch die Studienordnung strenger“, erzählt er. „In manchen Seminaren darf man kein einziges Mal fehlen.“ Ein Grund dafür, dass Veranstalter und Sonderschullehrer Werner Reuter es dieses Jahr nicht geschafft hat, genug freiwillige Helfer zusammenzubekommen. „Viele, die gerne mitmachen wollten, wurden nicht freigestellt“, berichtet er. „Dabei können die Leute hier doch viel mehr lernen als im theoretischen Seminar.“
Er kann trotzdem gut verstehen, dass die Studenten nicht bereit sind, ein ganzes Semester aufs Spiel zu setzen. „Sie müssen jetzt 500 Euro pro Halbjahr zahlen - da ist das Risiko zu groß, unentschuldigt zu fehlen und am Ende den Schein nicht zu bekommen.“ Auch bei den Besucherzahlen werden die strengeren Regeln spürbar: Es kommen weniger Schulklassen, da so wenig Unterricht wie möglich ausfallen soll, wodurch immer weniger Geld in die Festivalkassen fließt. „Es ist deshalb Zeit, Schluss zu machen“, sagt Reuter, der über die Jahre fleißig die Spendentrommel für das Projekt gerührt hat, das keinerlei öffentliche Mittel erhält. „Aber der Spendenkuchen wird in allen Bereichen in immer kleinere Stücke zerteilt.“ Fast 3000 Studenten haben in 20 Jahren „Pusteblume“ mit angepackt. Vier bis sechs von ihnen haben einen Arbeitsvertrag und helfen bei Workshops und Lehrerfortbildungen mit, die über das ganze Jahr verteilt als zweites Standbein des Kulturprojekts angeboten werden.
Auch die Vorbereitung des Sommerfestivals nimmt viel Zeit in Anspruch. Die 45 teilnehmenden Theater- und Tanzgruppen aus drei Bundesländern, die verschiedenen Sonderschulen angehören, mussten bis Januar Videos ihrer Darbietungen einsenden, um mit dem „Pusteblume“-Team als Berater Verbesserungsvorschläge und Anregungen umsetzen zu können. Ein sehr buntes und vielfältiges Programm ist dabei herausgekommen: Neben zeitlosen Clownsgeschichten ist modernes Tanz- und Maskentheater ein großes Thema. So erhält eine 14-köpfige Schwarzlicht-Theatergruppe aus einer Förderschule für geistige Entwicklung in Ratingen am Dienstagmorgen tosenden Applaus für ihr Stück „Jahreskreis“. Dass der in Köln aus fünf Jahreszeiten besteht, ist den Ratinger Schülern bekannt: Von Kopf bis Fuß in schwarze Kleidung gehüllt, lassen sie Karnevalshütchen und rote Nasen wie von Geisterhand über die Bühne tanzen.
In veränderter Form soll das „Sommertheater Pusteblume“ von 2008 an mit verschiedenen Kooperationspartnern wie der „Lebenshilfe Köln“ als „Look Cologne“ weiterleben. In Sachen Finanzierung ist Werner Reuter schon längst wieder unterwegs.
Das Festival dauert bis Freitag, 15. Juni. Karten können bestellt werden unter www.pusteblume-online.de |
| Der letzte Vorhang |
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Kölnische Rundschau, 12.06.2007
Zum 20. und gleichzeitig auch letzten Mal findet seit gestern das Sommerfestival „Pusteblume“ statt. Beim Theater-, Tanz- und Musikfestival von Menschen mit und ohne Behinderung treten auch in diesem Jahr Gruppen aus ganz NRW auf. „Ich hoffe, es findet 2008 in einer anderen Form weiter statt“, sagte Organisator Werner Reuter.
46 Gruppen aus Förderschulen haben sich im Januar für die Teilnahme an dem traditionsreichen Festival erfolgreich beworben. Trommeln, Akrobatik, Jazztanz zu Pop-Hits, Maskentheater oder der Auftritt eines Clowns stehen bis Freitagabend auf dem Programm. In dem bunten Theaterzelt aus der Sammlung von Roncalli-Chef Bernhard Paul wird wohl jeder auf seine Kosten kommen. Draußen haben die 140 helfenden Sonderpädagogik-Studenten Imbissstände und einen Spielplatz mit einem Piratenschiff aufgebaut.
400 Zuschauer waren gestern Morgen bereits im Zelt. Viel Applaus ernteten dabei die Schüler der Rheinischen Förderschule Rösrath. In schaurige Kostüme gekleidet, spielten sie eine Spuk-Geschichte um freche Gespensterkinder. Auch die Trommelgruppe „Youngsta Drumming“ der Viktor-Frankl-Schule für Körperbehinderte in Aachen begeisterte.
„Schade, dass wir hier jetzt nicht mehr auftreten können“, sagte Dominik Jäger. Der elfjährige Rollstuhlfahrer aus Linnich hat bei einer Akrobatikshow mitgewirkt. „Wir treten auch woanders auf, aber nie vor so großem Publikum.“ Karten ab vier Euro gibt es noch für alle Vorstellungen im Zelt auf der PH-Wiese der Uni Köln, Frangenheimstraße; der Beginn ist täglich ab 10. 30 Uhr. (lhg) |
| Wir waren wegweisend |
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Kölner Stadtanzeiger, 05.06.2007
Die Plakate fürs „SommerFestival Pusteblume“ hängen schon in der ganzen Stadt. Die 20. Auflage dieses Behinderten-Theater-Festivals ist auch die letzte.
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Nach 20 Jahren fällt der Vorhang für eine Theaterwoche, die jahrelang als das größte Behinderten-Festival Europas galt. Herr Reuter, Sie waren als Kölner Sonderschullehrer sowohl Ideengeber als auch Organisator der „Pusteblume“. Haben Sie keine Lust mehr?
WERNER REUTER: So kann man es nicht sehen. Aber in den 20 Jahren haben sich die gesellschaftlichen Voraussetzungen und das gesamte Umfeld an der Hochschule verändert. Für das Ende des Festivals gibt es organisatorische, finanzielle und inhaltliche Gründe. Wir haben damals angefangen als ein Projekt der Abteilung für Heilpädagogik. Und kriegten von der Hochschule alle Unterstützung, die wir brauchten.
Ist das heute nicht mehr so?
REUTER: Offiziell ist das Festival immer noch der Uni angegliedert. Aber die Rahmenbedingungen dort haben sich verändert. Das Studium ist „verschulter“ geworden und die Studenten werden nicht mehr so ohne weiteres wie früher für ihre Mitarbeit an der Theaterwoche freigestellt.
Ist das nicht auch eine Frage des Engagements?
REUTER: Ganz sicher. Für Bühnentechnik und Regie, für Kasse, Schminkzelt, Bistro, Spielprogramm und vor allem für die Betreuung der Gruppen, alles Bereiche, in denen man für den späteren Alltag an der Schule lernen kann, brauchen wir zwischen 130 und 140 studentische Helfer. Die haben wir für dieses Jahr noch nicht zusammen gekriegt. Die Anzahl der Studenten, die sich über das Pflichtmaß hinaus engagieren, ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Da fehlt die Kreativität und Flexibilität.
Aber ist dies nicht gerade bei den zukünftigen Lehrern an Sonder- und Förderschulen gefragt?
REUTER: Eigentlich schon. Aber nach der Pisa-Studie geht ja an allen Schulen die musisch-kulturelle Bildung den Bach hinunter. Auch an der Uni, wo ja der Lehrstuhl für Kunsttherapie abgeschafft wurde. Für den reinen Lernstoff bleiben Persönlichkeit und Selbständigkeit auf der Strecke.
Klingt in diesem Zusammenhang das Ende des Sommertheaters nicht wie ein Aufgeben?
REUTER: Ach, ich weiß nicht. Wir wollen die Sache beenden, wo die einzelnen Beiträge noch ansehnlich sind. Wir waren eine wichtige Plattform für die Sonderschulen, deren Theatergruppen oft monatelang für den einen Auftritt bei uns im Zirkuszelt geprobt hatten. Das war ein Anreiz. Das Niveau und die Qualität haben sich im Laufe der Zeit erheblich gesteigert. Wir waren wegweisend, nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Und jetzt machen wir das, was so manche Künstler verpassen - abtreten, wenn man noch oben ist.
Im Grußwort zum Festival verspricht Landesschulministerin Barbara Sommer eine dauerhafte Fortsetzung in einer anderen Form unter dem Motto „Look Cologne“.
REUTER: Leider zu früh gefreut. Die Pusteblume-Organisatoren hatten im Vorjahr mit der Lebenshilfe Köln und dem Lino-Club erstmals dieses eintägige „Kulturfestival von Menschen mit Behinderung“ organisiert. Im Mediapark und im angrenzenden Komed-Saal standen Gruppen aus ganz Deutschland auf den Bühnen. Doch eine für 2008 geplante Neuauflage, die noch um Literatur, klassische Musik und bildende Kunst erweitert werden sollte, ist erst einmal geplatzt.
Wieso das denn?
REUTER: Nachdem vor zwei Monaten bei der Lebenshilfe die Geschäftsführung wechselte, hat sich diese Organisation für Menschen mit geistiger Behinderung aus „Look Cologne“ ausgeklinkt. Dieses integrative Projekt passt wohl nicht mehr in deren Festkalender, da sie 2009 alleine und ganz groß ihr 50-jähriges Bestehen feiern wollen. Dabei hatte die Lebenshilfe schon Vorgespräche mit Kulturdezernent Georg Quander geführt, der uns das Schauspielhaus und den Offenbachplatz zur Verfügung stellen wollte. Allein der Ort hätte den Status von Behinderten-Theater enorm aufgewertet.
Warum organisieren Sie dieses Tages-Festival nicht in Eigenregie?
REUTER: Das ist nicht so einfach. Die Lebenshilfe kann Zuschüsse bei der „Aktion Mensch“ beantragen, die dann 70 Prozent der Kosten übernimmt. Pusteblume oder Lino-Club können das nicht. Da müssen wir nun einen neuen Kooperationspartner suchen. Das funktioniert frühestens 2009.
Bedeutet dies, dass es im kommenden Jahr hier in Köln überhaupt kein Behinderten-Theater mehr gibt?
REUTER: Noch bin ich ein bisschen optimistisch. Wir versuchen, die Kosten von 75 000 Euro mit Sponsoren aus der Kölner Wirtschaft zusammen zu kriegen. Eine ganze Reihe von Bittbriefen habe ich schon geschrieben.
Das Gespräch führte
Norbert Ramme |
| Die Pusteblume wächst wieder |
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| VON NORBERT RAMME, 03.05.06, 13:25h
Neue „Zweigstelle“ wird eröffnet. Kurse finden nun auch in der ehemaligen Pfarrbücherei von St. Barbara statt.
Ehrenfeld - „Wir haben die Probleme im Veedel mit einem sozialen Dreieck gelöst“, sagte Werner Reuter, der Leiter des „Pusteblume Zentrums für Bewegung, Entspannung, Tanz und Theater“. Die Kirchengemeinde St. Barbara muss auf Anordnung des Erzbistums Gelder einsparen und sich von einigen Einrichtungen trennen. Die Kurse bei „Pusteblume“ sind weitgehend ausgelastet, so dass schon länger nach Ausweichmöglichkeiten gesucht wurde, der Trägerverein hat jedoch nicht die Finanzmittel für neue Räume. Und die „Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Ehrenfeld eG“, der im Bereich Neuehrenfeld mehr als 2500 Wohnungen gehören, will sich weiter im Veedel für ihre Genossenschaftsmitglieder und Mieter engagieren.
So kamen die drei Parteien recht schnell zusammen: Die Wohnungsgenossenschaft hat im Vorjahr von der Pfarrgemeinde das Gebäude der Bücherei und des früheren Jugendheimes erworben. Während die Verhandlungen über den Umbau des Jugendheimes zu einer generationen-übergreifenden Einrichtung - für Kinder unter drei Jahren, für Jugendliche und Senioren - noch laufen, wurde die Pfarrbücherei zu einem weiteren Übungsraum für das Pusteblume-Zentrum hergerichtet. Am 13 Mai soll er offiziell eröffnet werden soll. Reuter: „Da bieten wir vorrangig Kurse für Kinder und Jugendliche an und übernehmen somit einen Teil der sozialen Arbeit, die früher die Gemeinde geleistet hat.“
So bleibt eine Kontinuität im Veedel, sagt auch Pfarrer Franz-Heiner Schwirten, der die Großgemeinde St. Peter - zu der inzwischen auch St Barbara und St. Anna gehören - zu betreuen und zu verwalten hat. „Bei Peter suchen wir noch einen Mieter für das gesamte Pfarrzentrum und bei Anna ist schon das Pfarrbüro ausgelagert. Nur bei Barbara ist haben wir bislang eine gute Lösung gefunden.“ Ähnlich sieht das auch Georg Potschka, der Vorsitzende der Wohnungsgenossenschaft. „So können wir Freizeitangebote für alle Altersgruppen unserer Bewohner machen. Die Kooperation mit »Pusteblume« läuft seit zehn Jahren hervorragend“.
Nachdem Reuter, Sonderschullehrer und Dozent an der Kölner Universität, 1988 das „Sommertheater Pusteblume“ für behinderte Mädchen und Jungen gegründet hatte, das sich schnell zum größten Festival seiner Art in Europa entwickelte, kam 1996 durch die Kooperation mit der Wohnungsgenossenschaft das Zentrum für Bewegung, Entspannung, Tanz und Theater hinzu, das allen Kindern und Erwachsenen offen steht. „Ansonsten hätten wir das Behinderten-Theaterfestival in der bislang bewährten Form nicht fortsetzen können.“
Schließlich fließen alle Erlöse - sobald die laufenden Kosten des Zentrums aus den Teilnehmerbeiträgen für Kurse und Lehrerfortbildungen abgedeckt sind - in die Organisation des Sommertheaters. An den unterschiedlichen Kursen - von Jazztanz und Trommeln bis hin zu Yoga, Walking und Kindermusical - nehmen wöchentlich rund 700 große und kleine Besucher teil.
Rund 50 000 Euro kostet das einwöchige Sommertheater-Festival, bei dem jeweils mehr als 1000 geistig-, lern-, körper- oder sprachbehinderte Schüler aus ganz Deutschland auf der Bühne stehen. In diesem Jahr ist die 19. Auflage geplant: vom 19. bis 22. Juni und wie immer im Zirkuszelt vor der Pädagogischen Hochschule. Besonders stolz ist Reuter, dass das Festival, bei dem diesmal reichlich Fußball-Themen im Mittelpunkt stehen, inzwischen offiziell ins Kulturprogramm zur Weltmeisterschaft aufgenommen wurde. „Jetzt kriegt sogar die Fifa mit, was wir hier in Ehrenfeld und in Köln leisten.“
(KStA) |
| Auch Lehrerfortbildung im Angebot |
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| ERSTELLT 03.05.06, 13:25h
Im Pusteblume Zentrum werden derzeit in 51 verschiedenen Kursen und Seminaren 705 Teilnehmer gezählt. Diese kommen vorrangig aus Ehrenfeld, aber auch aus der gesamten Stadt, bei Lehrerforbildungen sogar aus dem ganzen Bundesgebiet.
neben der Kirche werden es in den nächsten Wochen 930 Teilnehmer in 73 Kursen sein.
Am „Sommerfestival Pusteblume“ vom 19. bis 22. Juni nehmen 46 Theatergruppen von Behinderten-Schulen aus NRW sowie je eine aus Halle und Kaiserslautern teil; Karten (3,50 bis acht Euro) ab 8. Mai übers Internet.
Als weitere Premiere ist nach den Sommerferien (2. September) im Mediapark ein Kulturfestival geplant, eine Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe und dem Lino-Club. Organisation und Umsetzung hat das Pusteblume-Team übernommen. Auf drei Bühnen sind Schüler, aber auch semi-professionelle Gruppen aus dem ganzen Bundesgebiet dabei.
(KStA) |
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